Presse

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SEMPLICE*
Die selbstverständlichste Sache der Welt
von Eberhard Spangenberg

Wissen Sie, was das Wort Inklusion bedeutet? Ich habe es gerade erfahren, als ich zum Abschiedsfest der CBA für Renata Neukirchen ins Blaue Haus der Münchner Kammerspiele eingeladen war. CBA ist die Kurzform für den Verein Cooperative Beschützende Arbeitsstätten e.V. in München, den es nun seit 29 Jahren gibt. Er hat zum Ziel, dass Menschen mit einer Lern-, geistigen oder psychischen Behinderung ins Arbeitsleben integriert werden und die Akzeptanz der Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft gestärkt wird. Das ist nicht nur eine schöne Theorie, sondern dank der engagierten Arbeit der Gründerin und bisherigen Leiterin Renata Neukirchen sowie ihres tollen Mitarbeiterteams eine wunderbare Realität, die richtig gut funktioniert. Die CBA betreibt im Sinne der Inklusion („Wir wollen sie zur selbstverständlichsten Sache der Welt machen!“) u.a. selbst Projektfirmen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Da ist das Umweltteam, das Containerplätze für Altglas und Wertstoffe im Stadtgebiet reinigt, kleine Transporte und Gartenarbeiten durchführt. Und dann gibt es auch die Firma Putzblitz, die Wohnanlagen, Verwaltungsgebäude, Schulen und Büros reinigt. Herausheben möchte ich aber hier die gastronomischen Aktivitäten der Conviva Gastronomie, die ich von Anfang an verfolgt habe und bis heute als einer der Lieferanten beraten und begleiten darf.Am Anfang dieser Praxis stand vor fast 20 Jahren ein kleines, feines Restaurant in München Laim: CONVIVA. Was mir dabei besonderes imponiert hat, war der hohe Anspruch von Renata Neukirchen bei Essen, Wein und Service, den sie und die Mitarbeiter dort verwirklicht haben. In der Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung wurde dort ein hochwertiges kulinarisches Erlebnis realisiert, sogar nahe der Sterne- Gastronomie. Das ist für mehrere Jahre bestens gelungen. 2004 hat sich die Conviva Gastronomie größeren Projekten zugewendet: das Conviva im Blauen Haus wurde als Theatergastronomie der Münchner Kammerspiele eröffnet. Dieses Lokal ist inzwischen eine feste Institution in München, besonders für Leute jeden Alters, die gerne miteinander reden und nicht unbedingt zur Schickimicki–Szene der Innenstadt gehören.

Die selbstverständlichste Sache der Welt
2011 wurde dann Conviva als Betreiber auch die Cantina in der neu erbauten Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) am Bernd- Eichinger-Platz 1 in München anvertraut. Als sich letzte Woche Renate Neukirchen mit einem großen Fest aus der Gesamtleitung des Betriebs verabschiedet hat – als Leiterin der Gastronomie bleibt sie uns glücklicherweise noch erhalten – sagte sie in ihrer Rede: „In unseren Betrieben ist das Essen und Trinken einfach lecker, weil man spürt, dass da mehr dahinter ist, und dass hier Menschen arbeiten, die etwas Besonderes machen.“ Ja, bei Essen und Trinken kommt es auf ein „mehr“ an und es geht nicht um die Verabreichung der bloßen „Ware Lebensmittel“. Es ist wichtig, wo ein Produkt herkommt, wer es anbaut und wie es erzeugt wird, von wem es verarbeitet, wie es zubereitet und serviert wird, und letztlich wo, mit wem und in welcher Gesellschaft man es genießen darf. Wichtig sind die Liebe und das Engagement, die dahinter stehen. Die spürt man mit allen Sinnen in den Conviva-Betrieben als die selbstverständlichste Sache der Welt, und in diesem Zusammenhang darf man dann auch mal nur „lecker“ sagen, ganz einfach.

Anm.: SEMPLICE, der Beitrag von Eberhard Spangenberg, erscheint jeden Donnerstag auf www.GARIBALDI.de. Eberhard Spangenberg ist seit 1983 Inhaber von GARIBALDI, war 1992 Gründer von Slow Food Deutschland und viele Jahre Publizist und Verleger. Es geht in SEMPLICE um kritische und kreative Gedanken zum genussvollen und bewussten Leben, um kulinarische und kulturelle Themen.

 

DelikatEssen – Ausgehen in München 2013
Anonym besucht und bewertet: Cafes, Bars und Restaurants
Conviva im Blauen Haus – Feiner Schmaus mit Inklusion
von Karin Lochner

Den Gast erwartet ein minimalistisches Ambiente mit abgelaufenen Holzplanken, wuchtigen Tischen und Industrierohren an der Decke. Während des Theaterbetriebs dient die eine Hälfte des Lokals, getrennt durch eine verschiebbare Wand, als Kantine der Münchner Kammerspiele. Immer wieder ertönen Ansagen, die man auch in der anderen Hälfte, dem öffentlichen Lokal, hören kann. Spätestens nach der Vorstellung wird die Schiebewand geöffnet und der Restaurantraum verdoppelt seine Größe. Das ist ungewöhnlich genug – und doch erahnt man noch nicht das eigentlich Ungewöhnliche des Hauses. Denn im Conviva arbeiten behinderte und nicht behinderte Menschen Hand in Hand – letztere sind sogar in der Minderheit. Auf der täglich wechselnden Mittags-und Abendkarte stehen leichte Gerichte und aufgepeppte Hausmannskost – zu für die Qualität absolut moderaten Preisen. Erfreut kosten wir als Vorspeise den Lachs mit roter Bete (9.50 €). Der Fisch ist zart, das Dressing erfrischend, insgesamt eine überzeugende Kombination. Ein Klassiker und sehr zu empfehlen: die perfekt gebackene Blutwurst in ihrer knusprigen Panade (10.50 €). Begleitet wird sie von einem aromatischen Kartoffel-Endivien-Romana-Salat. Der Kaninchenrücken (14 €) kommt mit einer feinen Kichererbsenmousse. Hier scheint hervorragend zu funktionieren, was auf gesellschaftlicher Ebene bemüht als „Inklusion“ und „Integration“ angestrebt wird. Trotzdem ist das Lokal ein normaler und professionell geführter Gastronomiebetrieb. Ob unser freundlicher Kellner zu den Angestellten mit Behinderung gehört, können wir nicht herausfinden. Es spielt auch keine Rolle. Allein das verdient Applaus. Das Essen sogar stehende Ovationen.

Essen und Trinken * * * * *
Service * * * * *
Ambiente * * *

Zentrum, Hildegardstr.1, Tel: 23 33 69 77, www.conviva-muenchen.de
Tägl: 11 – 15.30 & 17.30 -24 Uhr
Tram 19 Kammerspiele; Tram 16/18, Bus 132, S-Bahn Isartor
Keine Kreditkarten, ec-Karte möglich

 

Münchner Merkur 14. 1. 2011 – Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung
„Bei uns fliegen keine Pfannen“
Die „cba München“ bringt seit 25 Jahren Menschen mit Handicap in Arbeit. Zum Beispiel im Restaurant Conviva im Blauen Haus in München. Eine echte Erfolgsgeschichte.
Von Sandra Zeidler

Es gibt Sterneköche, die sagen, man schmeckt es am Essen, wenn es in der Küche harmonisch zugeht. Das könnte ein Erfolgsgeheimnis des Restaurants Conviva im Blauen Haus an der Hildegardstraße 1 sein, denn es ist jeden Tag voll ausgelastet – und das einzige der Stadt, in dem Menschen mit und ohne geistige Behinderung zusammenarbeiten. Langsam füllt sich das Restaurant. An den Holztischen nehmen Geschäftsleute aus den umliegenden Büros Platz. Heute auf der Speisekarte: Peperoni-Polenta-Suppe, Spanferkelrollbraten und Lebkuchenmousse mit Weißweinbirne. Das Conviva ist kein Geheimtipp mehr. Mittags kommen Menschen im Businessanzug, Abends die Theaterbesucher der Kammerspiele. Den ganzen Tag über kommen die Mitarbeiter des Theaters in die angeschlossene Kantine. „An einem guten Tag machen wir bis zu 700 Essen“, sagt Vize-Küchenchef Norbert Promeuschel. Er schätzt die Zusammenarbeit mit den gehandicapten Menschen. „Bei uns fliegen keine Pfannen“, lacht er. Dafür muss er geduldig sein, jeden Tag aufs Neue erklären, ruhig bleiben, wenn ein Mitarbeiter statt Suppe Tomatensauce bringt. Seine Mannschaft besteht hauptsächlich aus Menschen mit Lern- sowie geistiger und psychischer Behinderung. Claudia Sigröner ist eine von ihnen und seit 14 Jahren dabei. Gerade füllt sie Suppe um. „Ich koche alles gerne, was der Chef sagt“, erzählt sie. Am wichtigsten aber ist ihr das Vertrauen. „Zu mir kommen oft Mitarbeiter und erzählen mir, was schwierig für sie ist“, erzählt Renata Neukirchen, Gründungsmitglied des Reataurants und im Vorstand der Cooperativen Beschützenden Arbeit (cba), zu der das Conviva gehört. Sie will Menschen mit handicap einen dauerhaften Arbeitsplatz verschaffen. „Wir sehen den Menschen nicht als Arbeitstier. Wir nehmen uns zeit, coachen und begleiten. Das macht die Mitarbeiter stark und selbstbewusst“, erzählt sie. Alles begann vor 25 Jahren, als eine Gruppe von Eltern aus einem integrativen Kindergarten das Projekt Zusammenarbeit von behinderten und nichtbehinderten Menschen entfalten wollte. Neukirchen entwickelte ein Konzept, wie man Menschen mit Handicap in den freien Arbeitsmarkt bringen könnte. Ihr Grundidee: selbst Firmen gründen die gute Integration bieten und den Mitarbeitern gerecht werden. „In normalen Firmen wird oft aus Mitleid gehandelt. Da wird die Arbeit von Behinderten entweder mitgemacht oder nicht gefördert.“ Behinderte sollen gute Arbeit leisten und gleiche Löhne bekommen, lautet ihre Forderung. So entstand 1989 die erste Firma der cba: das Umweltteam. Heute reinigen 30 Mitarbeiter mit Lern-und geistiger Behinderung die Fläche von rund zwei Dritteln der containerplätze in München. „Manche Mitarbeiter arbeiten zehn Stunden in der Woche, manche 38 – je nach Können und dem, was sie sich zutrauen“, erklärt Neukirchen. 1995 startete das vielleicht ambitionierteste Projekt der cba: Ein altes Bierlokal in Laim wurde mithilfe eines Sponsors umgebaut, das erste Conviva eröffnete. „Wir wollten von Anfang an einen Sternekoch und behinderte und nichtbehinderte Mitarbeiter. Es war ein Wagnis“, erinnert sich Neukirchen. Aber das Konzept ging auf. Neun Jahre lang wurde an der Friedenheimer Straße Spitzengastronomie geboten. Nach dem Umzug in die Altstadt arbeiten im Conviva heute 17 Behinderte und 16 Fachverantwortliche. Und: Mittlerweile betreibt die cba auch die Mensa des Luitpoldgymnasiums, die Kantine im Prinzregententheater und die Cafeteria im Sozialreferat. Das Conviva an der Hildegardstraße 1 ist montags bis samstags von 11 bis 1 Uhr geöffnet, sonn und feiertags von 17 bis 1 Uhr

 

Münchner Wochenanzeiger vom 8. Juni 2010
25 erfolgreiche Jahre
Cooperative Beschützende Arbeitsstätten cba feiert Jubiläum

München – Die Integration von Menschen mit Behinderung auf dem freien Arbeitsmarkt. Das war und ist der Anstoß für die Cooperative Beschützende Arbeitsstätte (cba). Und der Erfolg gibt ihnen Recht: die cba in München feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Wie wichtig Privatinitiativen geworden sind, die sich um die Eingliederung von Menschen mit Handicap ins Berufsleben bemühen, zeigen aktuelle Untersuchungen in diesem Bereich. So nimmt die Zahl der behinderten Menschen, die Harz IV beziehen, kontinuierlich zu und im Ländervergleich der europäischen Union nimmt Deutschland bei der Integration Behinderter einen der letzten Plätze ein.

400 Arbeitsplätze in 25 Jahren
1985 war das Geburtsjahr der Cooperative cba, hervorgegangen aus einer Elterninitiative. Bereits vier Jahre später, 1989, konnte die erste Projektfirma, das „Umweltteam“, gegründet werden. In Zusammenarbeit mit der LH München (Amt für Abfallwirtschaft) wurde dazu ein Konzept für die Containerplatzreinigung und ein Kompostierservice rund um die 2Braune Tonne“ erstellt. Mittlerweile konnte dem Dienstleistungsangebot die Sparten Gartenarbeit, Entrümpelung und Transporte hinzugefügt werden. 1991 wurde die Gebäudereinigungsfirma „Putzblitz“ gegründet, um weitere Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap zu schaffen. Seit 1995 bietet die cba erfolgreich Projekte auch im Gastronomiebereich an, unter anderem die Bekannten Restaurants „Conviva“ in der Friedenheimer Straße, im Gasteig, Prinzregententheater und im Blauen Haus der Münchner Kammerspiele. So kamen im Laufe der Zeit über 400 Qualifizierungsarbeitsplätze für Menschen mit einer Lern-, geistigen oder psychischen Behinderung zusammen. Auch konnten zahlreiche Mitarbeiter erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Bundesverdienstkreuz
Heute ist die cba ein mittelständisches Unternehmen mit 176 Mitarbeitern, davon 100 Menschen mit Handicap. Leiterin, geschäftsführender Vorstand und Gründungsmitglied Renata Neukirchen hat mit der cba vielen Menschen Arbeit, Lohn und Anerkennung gegeben und leistet mit ihren Integrationsfirmen einen wirtschaftlichen Beitrag für die Gesellschaft. Renata Neukirchen arbeitete zuvor als eine der wenigen Frauen erfolgreich an der Börse. Dieses Know-How aus ihrer Zeit in der Wirtschafts- und Finanzwelt bringt sie voll und ganz in das Projekt ein. Mit Erfolg: Ihr unermüdlicher Einsatz und ihr soziales Engagement wurden ihr 2006 mit dem Bundesverdienstkreuz belohnt.

Spenden willkommen
Als gemeinnütziger Verein ist die cba dringend auf Spenden angewiesen. In Form von Mitgliedsbeiträgen können Interessierte Die Organisation unterstützen und so aktiv mithelfen, die Integrationsidee der cba mit zu gestalten. Jeder Beitrag ist herzlich willkommen und sichert Arbeitsplätze für jeden bestehenden und zukünftigen Mitarbeiter. Informationen zu Mitgliedschaft, Spendenmöglichkeit oder Sponsoring der cba bei Renata Neukirchen, Maistraße 36, 80337 München, Tel: 543460, per Email unter rneukirchen@cbamuenchen.de oder im Internet unter www.cbamuenchen.de
RP

 

SZ München vom 29. Juni 2010
Der soziale Gewinn zählt

Seit 25 Jahren sind Behinderte bei der Münchner Cooperative Beschützende Arbeitsstätte beschäftigt – mit Erfolg Von Marion Zellner München – „Wir wollen auf jeden Fall Geld verdienen“, sagt Renata Neukirchen. Und ihr strahlendes Gesicht lässt erkennen, dass dieser kühne Plan aufgegangen sein müsste. Keine Selbstverständlichkeit, denn als vor 25 Jahren aus einer Elterninitiative die „Cooperative Beschützende Arbeitsstätte“ (cba) hervorging, „konnte sich niemand Behinderte im Arbeitsleben vorstellen“, ergänzt Renata Neukirchen, die Gründungsmitglied und im geschäftsführenden Vorstand ist (…). Die Idee war, geistig-, lern- und psychisch behinderte Menschen für reale Löhne mit sinnvoller Arbeit einen Dauerarbeitsplatz zu ermöglichen. Nun, zum 25. Jubiläum, beschäftigt die cba 176 Mitarbeiter, darunter 100 Menschen mit Behinderung im Alter zwischen 20 und 55 Jahren. Möglich machten dass Integrationsfirmen, von denen es nun drei gibt. Die erste Firma wurde 1989 aus der Taufe gehoben. Das so genannte Umweltteam kümmert sich seitdem und die Recyclingcontainerplätze. Sie werden oft als Müllhalden missbraucht, was immer wieder Ärger bei den Anwohnern auslöste. In Zusammenarbeit mit der Stadt München entwickelte die cba ein Konzept zur Reinigung der Plätze. Inzwischen arbeiten 38 Männer beim Umweltteam, das auch einen Kompostierdienst in Wohnanlagen anbietet. Seit einigen Jahren werden zudem Entrümpelungen, Transporte und Gartenarbeiten übernommen. „Auch Privatpersonen können unsere Teams anfordern. Viele schätzen unsere Mitarbeiter sehr, denn wir sind oft flexibler als herkömmliche Unternehmen“, sagt Maximilian Roth, pädagogischer Mitarbeiter. Eine auf dem Arbeitsmarkt immer wieder in der Kritik stehende Branche ist die Gebäudereinigung. Umso erstaunlicher ist, dass man bei der Cooperative 1991 mit Putzblitz eine Reinigungsfirma gründete, die im Wettbewerb mit Niedriglöhnen stehen muss. „Wir können und wollen uns keine Dumpinglöhne leisten. Deshalb wurden wir auch immer wieder mit Kündigungen von Auftraggebern konfrontiert“, berichtet Renata Neukirchen. Doch nach wie vor gibt es Unternehmen, die Arbeitskräften mit Handicap viel zutrauen und die Qualität erkennen. Bei Putzblitz arbeiten insgesamt 56 Behinderte, zwei Drittel davon sind Frauen. Es werden Büros, soziale Einrichtungen, aber auch Kirchen und das Erzbischöfliche Ordinariat gereinigt. „Wir zahlen unseren Mitarbeitern einen Stundenlohn zwischen sechs und 8,50 Euro“, so Renata Neukirchen. Und: Es werden keine Almosen verteilt. Jeder Behinderte bekommt nur die Arbeitszeit entlohnt, die er wirklich leisten kann – je nach Fähigkeiten und Begabungen. „Wir folgen dem Montessori- Prinzip. Wir wollen Menschen mit Behinderung beteiligen und fördern. Und danach richten sich Arbeit und Ausmaß“, ergänzt sie. Das dritte geschäftliche Standbein hat einen programmatischen Namen: Conviva – zusammen leben. Das erste Lokal wurde von 1994 an in Laim betrieben, mit einem Sternekoch und behinderten Mitarbeitern. Obwohl es nicht gehalten werden konnte, sind es derzeit immer noch vier Gastronomiebetriebe, darunter das Restaurant und die Kantine im Blauen Haus der Münchner Kammerspiele. „In unserer Kantine essen unsere 300 Mitarbeiter. Der Betrieb läuft von 7 bis 24 Uhr, sieben Tage die Woche“, so Siegfried Lederer, Direktor der Kammerspiele. Wirtschaftlich sei es eine Gratwanderung, aber man sei mit der Zusammenarbeit mehr als zufrieden. Und ein neues Projekt der cba ist schon in Arbeit: Im Sommer eröffnet die Cafeteria Conviva im Sozialreferat am Orleansplatz. Die cba, ein eingetragener Verein, arbeitet zwar nicht gewinnbringend, aber Spenden machen nur zwei bis drei Prozent des Gesamtumsatzes aus. Und Renata Neukirchen hat auch kein Problem damit, zu sagen: „Wir sind uns nicht zu schön, um Hilfe zu bitten. Denn für uns zählt der soziale Gewinn.“

 

AZ München vom 14. Juni 2010
Jeder hat Fähigkeiten

Wie der Verein cba seit 25 Jahren Menschen mit Behinderung ins Berufsleben integriert München – Mittags stärken sich an den rustikalen Holztischen Bühnenarbeiter und Schauspieler des Kammerspiel-Ensembles mit Deftig-Hausgemachtem und Snacks, abends strömen die Theaterbesucher auf ein Gläschen Wein herein: Das Conviva im Blauen Haus ist seit Jahren ein beliebter Treffpunkt. Und es ist ein besonderes Lokal: Hier arbeiten behinderte und nichtbehinderte Menschen Hand in Hand. Dahinter steht der Münchner Verein „Cooperative Beschützende Arbeitsstätte“ (cba), der seit 25 Jahren behinderte Menschen ins Arbeitsleben integriert. „Wir haben eine Grundüberzeugung“, erklärt Geschäftsführerin Renata Neukirchen, selbst Psychoanalytikerin und ehemalige Bankerin. „Wir wollen die Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten fördern.“ Das klingt logisch, stellt den Verein cba aber immer wieder vor Herausforderungen. Immer geht es auch um Wirtschaftlichkeit. Heute hat der Verein 176 Mitarbeiter, davon 100 mit Handicap. Angefangen hat alles 1985. „Es war die erste Generation von Montessori-Schülern, die die Schule beendeten“, erinnert sich Neukirchen. „Behinderte Menschen, die ihr Leben lang Integration erlebt haben, sollten jetzt einzig Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen finden.“ Eltern und Pädagogen, darunter Neukirchen, stemmten sich dagegen. Sie entwickelten ein Konzept, um die jungen Menschen in den freien Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit der daraus erwachsenen Beratungsstelle vermittelte cba in den ersten zehn Jahren 350 Mitarbeiter mit Handicap. Doch es gab bei Weitem nicht genügend Arbeitsplätze und cba bot mehr und mehr eigene Dienstleistungen an. 1989 wurde das „Umweltteam“ gegründet – laut Neukirchen „die netteste Müllabholertruppe Münchens“. Zwei Jahre später startete die Gebäudereinigung „Putzblitz“. 1994 eröffnete die erste Gastronomie in der Friedenheimerstraße. Bis 2004 gab es den Feinschmecker- Treffpunkt mit 24 Plätzen, dann wurden die Aufgaben größer. Ob Conviva im Blauen Haus, Cantina Conviva im Prinzregententheater oder Mensa im Luitpoldgymnasium. In diesem Jahr schließt zwar die Cafeteria Conviva im Gasteig, doch fast gleichzeitig eröffnet cba ein Café im Sozialreferat am Orleansplatz.
va